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#870 Spanien - Abschied aus dem Dauerfrost

27.02.2024 Genug mit Winter in Monachil, Sierra Nevada

        

Schönen guten Morgen, 

 

Um 9 Uhr beginnt mein Tag. Der der anderen nicht. Die schlafen noch. Gefühlt sind die wieder in den Winterschlaf verfallen. Wer will es ihnen verdenken. -5°C draußen, alles weiss und immer wieder halbe Sturmböen die über den Platz fegen. Da bleib ich lieber im Van, dreh die Heizung höher und beobachte, was draußen so abgeht. 

 

Da läuft schon ne Menge um halb 10 Uhr morgens. In Deutschland ist da Knoppers Pause, hier werden Vans aus Parkplätzen geschoben. Snowsocks angebracht, die sofort wieder abgehen, Schnee mit Füßen von den Reifen weggeschoben und beratschlagt. Auf die Idee, zu schieben, scheint hier in Spanien erstmal keiner zu kommen. 

Weil es echt frisch draußen aussieht, ziehe ich mir mein Federbett etwas höher. Da wird einem ja beim Zuschauen kalt. 

 

Die zwei T5 und T4 Fahrer kämpfen ne ganze Weile. Vor allem der T5 will einfach nicht raus aus dem Schnee. Tja, Sommerreifen und keine gescheiten Schneeketten. Dann schaut mal wie ihr da raus kommt. Mein Mitleid bei so einem Setup ist begrenzt, meine Hilfsbereitschaft auch, vor allem, wenn ich noch im Bett liege. Dafür aufstehen? Nö! Nur, wenn sie in ner Stunde noch immer da stehen und üben. 

Das linke Hinterrad beim T5 dreht sich übrigens nicht. Vermutlich Bremse fest gefroren…sie schütten bei minus 5 Grad Wasser drüber…okay…!

 

Rausziehen könnte ich sie mit dem Sprinter schon, doch sooo viel Schnee, vielleicht 15 cm, liegt auch nicht, und eh ich fahrfertig bin…dauert ewig. Riesen Chaos. Und zudem hab ich keine Abschleppösen am Van. Somit…nope!

Aber ich würde ihnen noch mehr heisses Wasser anbieten für die Bremsen…oder graben und schieben helfen. Das schon…aber eben….erstmal abwarten. 

 




 

Es kommen dann noch andere Spanier gelaufen, palavern mit und irgendwann schieben auch noch zwei mehr mit und der T5 kommt frei und rollt davon. Mei o mei, was für Amateure…denkt sich da der Co-Pilot, der mittlerweile auch wach geworden ist und etwas verwuschelt aus der Wäsche schaut. 

 

Apropos Wäsche: das müssen wir auch noch. Heute. Sonst läuft uns die Zeit davon. Und mit viel Dreckwäsche andere Länder betreten? Nee, will ich nicht. 

 

So stehe ich auf, beobachte hier und da noch Camper mit Ketten die keine Probleme haben, sehe wie die Sicht auf und wieder zu macht. Sturmböen peitschen um uns. Ein deutscher Van fährt auf den Hof, auch mit diesen bescheuerten Snowsocks. Schafft es mit Müh und Not auf einen Parkplatz, hat Glück, dass gerade da einer frei ist, wo er droht, nicht mehr weiter zu kommen. 

 

Leute, ganz ehrlich: Snowsocks helfen vielleicht als Anfahrhilfe bei festgefahrenem Schnee. Aber bei tiefem, ungeräumtem Schnee…vergesst es! Beim Camper braucht ihr dann Ketten. Die greifen besser und ziehen euch vorwärts. 

 

Gegen 14 Uhr, nach einiger Arbeit, mache ich uns fahrbereit. Das Wetter wieder schlechter und nebliger. Die Temperatur bei -3 Grad. Der Wind immerhin nicht mehr so heftig in Böen. 

 

Also raus vor die Tür, Sprinter Haube vom Schnee befreien. Die ist halb vergletschert. Mehr Eis als Schnee. Auch am restlichen Auto ne Menge Eiszapfen nach 2 Tagen stehen. Das ist normal bei Schneefall. Auf dem Dach liegt zum Glück nicht viel, komm ich eh nicht dran und ist heftig angefroren. Also Abfahrt. 

 

Mit Allrad….liegt da Schnee? Dazu noch leicht bergab…der Sprinter lächelt milde, fühlt sich wohl leicht verarscht und rollt über den gefrorenen Schnee und Eis. Easy. 

 

Wir folgen nun der Straße bis Granada, schöner Blick in die Ebene immer wieder. Gut Verkehr. Wie rollen gut, die Bremsen des Sprinters machen ihren Job. Die Temperatur geht bei 1.500 m ins Plus. Super…dann tauen wir langsam auf. 

 

Kurz vor Granada fahre ich ab von der Hauptstraße und parke in einem Wohn/Gewerbegebiet. 5,5 Grad, ich muss einige Eisplatten vom Van entfernen. Eine war mir gerade schon davon geflogen...das sah nicht gut aus.  

 

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Somit entferne ich mit Handschuhen an den Fingern den Gletscher an der Motorhaube und dem Grill. 

Danach steige ich auf den Dinette Tisch und entferne von und bis über das Solarpanel Schnee und Eis. Zenteimeterdicke Eisschicht. Leider komme ich nicht bis zum hinteren Teil des Daches. Räumequipment liegt in Zottl.

So entscheid ich: ich bleib hier noch etwas stehen, ab und an scheint die Sonne auf uns, vielleicht taut es an und fällt ab. Wir stehen leicht auf dem Bordstein und schräg. 

 

Da viel Eis die Frontscheibe runtergerutscht ist, räume ich die auch nochmal frei und sehe: irgendwas stimmt mit dem rechten Scheibenwischerblatt nicht. Das liegt so komisch…zack..hab ich es in der Hand. Hat sich irgendwie gelöst. Scheisse! Ich bekomme es nach mehreren Versuchen auch nicht wieder dran. Na egal, soll nicht mehr regnen die nächsten Tage, ich nehm es mit und versuch es später nochmal. Jetzt, mit eiskalten Fingern, ist es einfach nicht machbar. 

 

Weiter…als ich auf die Autobahn wieder auffahre, rauscht es hinter mir und im Rückspiegel fliegt alles Eis vom Dach auf die Straße. Ich bin langsam, es fällt einfach runter, kommt nicht ins fliegen, direkt hinter mir ist keiner. Gut, sind wir den Ballast mal los. 

 

Die nächsten 50 km Autobahn bis Motril. Stadt am Meer, nicht direkt. Aber nah dran. Wir dürften es zumindest sehen!

Co-Pi und Frieder schon ganz aufgeregt, sie lieben Meer…Sand allerdings nicht. Der Pelz und so, ne, kennt ihr ja! Aber Meer aus der Ferne, riesen Freude bei den beiden Pelzträgern. 

 

In Motril, 19 Grad, Sonne und Sturm. Aber egal, Sonne und blauer Himmel. Wie geil! Ein Traum. Wenn man es hat, merkt man erstmal, wie sehr man es doch vermisst habe. Schnee und Kälte ist geil, aber dann mal wieder warme Temperaturen, Sonne und blauer Himmel, auch geil. 

 

Wir steuern das Gewerbegebiet von Motril an. Hier gibts ne günstige Tanke mit Waschsalon. Durch Zufall auf Park4Night gesehen. 

Diesel dann tatsächlich auch nur 1,34 Euro/Liter. Günstigster Preis ever in Spanien. Und auch die Waschstation gibts. Ich kann direkt davor parken, alles sieht gut und sauber aus, die 8-14 kg Maschinen müffeln nicht. Wir waschen hier. 

Einmal waschen und trocknen kostet 11 Euro. Alles gewerbliche Maschinen, 30 Minuten geht die Wäsche, 30 Minuten trocknen. 

Angeschrieben in English, Waschmittel wird automatisch hinzugefügt. Cool!

 

Die Mädels an der Tanke super nett, freundliche und hilfsbereit. Hab ich so auch noch nicht erlebt. Tankt und wascht hier, wenn ihr müsst und in der Ecke seid. (36.737084, -3.511607)

 

Ich lege los, Bett abziehen, Handtücher, Waschlappen aus Bad, alle Klamotten zusammen suchen, alles in einen Sack und ab in den Waschraum. 

Hier alles leicht verständlich, Tür auf, Wäsche rein,  Tür zu, Wertmake rein die man im Tankstellenshop kauft, Programm wählen, gibt nur Temperaturprogramme, glaub war 30/40/60/90. Wobei ich mir bei 60°C nicht sicher bin. START drücken. Läuft. 

  

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Ich esse in der Zwischenzeit zwei Puddings und nach 30 Minuten topfe ich um. Paar Sachen kommen nicht in den Trockner, die lege ich in den Van. Der Rest ab in den Trockner. Wertmarke rein, Temperatur 60°C wählen und los.  Allerdings mache ich dabei einen fatalen Fehler. Ich werfe die Wertmarke in den Schlitze für den oberen Trockner. Die Klamotten sind aber im unteren Trockner. Ich merke es nicht, laufe zurück zum Van der direkt vor dem Gebäude steht. 

 

Kurz darauf klopft es am Van, ich öffne, eine Spanierin steht davor. Sie mach macht mich auf meinem Fehler aufmerksam. Oh….sie geht dann auch noch schnell zur Tankstellendame und erklärt ihr den Fehler auf spanisch. 

Die Tankstellendame kommt, öffnet kurz die Trockner, ich topfe in den bezahlten um und weiter gehts. 

Eben, echt nett die Leute hier. Tausend Dank!

 

30 Minuten später ist alles trocken, gewaschen hatte ich in einer 14 kg WM, die Trockner sind leistungsstark und haben alles top trocken bekommen. 

Das beziehen des Bettes und alles andere verräumen, mache ich später, jetzt noch schnell tanken und weiter. Vorhin war hier ein junges Mädel, dass die Betankung übernommen hat. Jetzt kurz vor 19 Uhr sehe ich sie nicht, so starte ich selbst und scheitere. Kommt nix. 

 

Kurz drauf kommt sie, meint ich müsse erst am Automat zahlen. Ich bin verwirrt, weil ja die Tanke eigentlich offen ist…aber egal. Sie zeigt mir den Automat, wie es geht und zack. Kann ich danken. Im Anschluss drücke ich ihr noch ein Trinkgeld in die Hand für die Hilfe. Freut sie. 

 

Nu aber weiter….Lidl. Wir brauchen Milch. Der ist nur n km weg von der Tanke. Langsam wird es dunkel. Den Sonnenuntergang erwische ich nur kurz bei der Fahrt. Schade. Aber die Jungs brauchen ihre Milch!

 

Der Einkauf bei Lidl geht schnell. Der Shop aber echt groß und gut was los jetzt um 19 Uhr. 21 Euro später steh ich wieder im KaiForeceONE und verräume alles. Und nun? Schlafplatz needed! Wo?

 

Park4Night weiss die Lösung. Ein Platz im Hügelland hinter Motril. Eine Art Erholungsgebiet. 5 km. Easy….ja…denkste.

 

Ich mach es kurz: der erste Anfahrversuch scheitert. Nach 3 km Schotterstrecke, müssen wir rechts…aber: Schranke im Weg. Ich muss von oben anfahren. 

Immerhin muss ich nicht drehen, sondern kann dem Weg weiter folgen. Komm nochmal in die Zivilisation zurück, Dorf, Asphalt, dann wieder rechts, Schotter, eng, bergab, kurvig. Volles Programm. Stockdunkel. Ich wünsche mir wieder Zusatzscheinwerfer. Das Fernlicht des Sprinters ist scheisse offroad. Stellt sich immer wieder automatisch ab…ich muss mal schauen, ob der Fernlicht Assi abstellbar ist. Der nervt einfach nur. 

 

Nach nochmaligem verfahren und korrigieren erreiche ich den angepeilten Spot….und da steht schon einer. Ich könnte mich über den Weg 10 m davon hinstellen. Aber hab da keinen Bock drauf. Also drehen, Stück zurück, ich hatte da noch was anderes gesehen. 

 

Der Plan geht auch auf. Großer angelegter Platz, Windgeschützt und niemand da. Parken. Feierabend. 20:30 Uhr mittlerweile. Ich bin durch. 

 

Schnell etwas Brot, muss weg. Spiegelei wäre auch noch nett, aber hier hängen überall noch Pullover, Jeans Hose etc vom Waschen. Wenn ich hier jetzt brate, stinkt das alles wie sau danach. Also kalte Küche. Auch gut. Hauptsache was zu essen. 

 

Noch schneiden und um 23:30 Uhr bin ich müde…und muss noch das Bett beziehen. Müsste eigentlich der Co-Pilot machen, doch wir wissen ja wie das meist endet. Eben…da kann ich es auch gleich selbst machen. 10 Minuten später ist alles parat. Somit also ab ins frisch bezogene Bett um Mitternacht. 

 

Gute Nacht und bis morgen

 

 

Kai und Team

 

 

GPS Koordinaten:

morgens: Monachil, Sierre Nevada

abends: Hügel bei Motril, 36°46'16.9"N 3°30'08.1"W

 

Unsere heutige Route: ca. 130 km

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ingrid und Jürgen (Donnerstag, 21 März 2024 13:45)

    Hallo Kai,
    du gehörst seit Monaten zu unserem allabendlichen Programm. Besonders die Bärengeschichten (von denen du ja mittlerweile schon fast ein Buch veröffentlichen könntest, was uns sehr freuen würde) sind immer wieder ein wahrer Quell der Freude. Schnee in Spanien lässt sich wohl nur mit Kai erleben??? Ansonsten weiterhin viel Spaß mit dem Sprinter und demnächst mal besseres Wetter. Nach deinem "BioToi" Bericht zusammen mit Katja haben wir unseren CS DUO auf Sprinter ebenfalls umgerüstet. WIR MÖCHTEN UNSERE BIOTOI NICHT MEHR MISSEN!!! Sie vereinfacht das Leben unterwegs gewaltig.
    Und übrigens : inzwischen haben wir es sogar geschafft, uns auf travelcampingliving zu registrieren. Hat etwas länger gedauert, aber nun ist es seit ein paar Wochen geschafft.
    Danke für Blogs und Videos und viele Grüße
    Ingrid und Jürgen Krüger